Erbschaftsteuer: Freibeträge, Steuerklassen, Steuersätze
Wer erbt oder Pflichtteil erhält, zahlt in Deutschland Erbschaftsteuer – aber nicht jeder gleich viel. Verwandtschaftsverhältnis und Wert des Erwerbs entscheiden. Mit lebzeitiger Gestaltung lassen sich oft erhebliche Beträge sparen.
- Drei Steuerklassen: I (Ehegatten, Kinder), II (Geschwister, Eltern), III (alle übrigen).
- Persönliche Freibeträge: Ehegatte 500.000 €, Kind 400.000 €, Enkel 200.000 €, Eltern 100.000 € (bei Erbschaft), Geschwister/Nichten/Neffen 20.000 €.
- Versorgungsfreibetrag für Ehegatten: 256.000 €, je Kind altersabhängig bis 52.000 €.
- Steuersätze 7–50 % nach Steuerklasse und Erwerbswert.
- Familienheim ist steuerfrei bei Eigennutzung (Bedingungen!).
- Lebzeitige Schenkungen können Freibeträge alle 10 Jahre erneut nutzen.
- Anzeige beim Finanzamt: binnen 3 Monaten nach Kenntnis (§ 30 ErbStG).
Steuerklassen
| Klasse | Personen | Freibetrag |
|---|---|---|
| I | Ehegatte/Lebenspartner | 500.000 € |
| I | Kinder, Stief-/Adoptivkinder | 400.000 € |
| I | Enkel | 200.000 € |
| I | Eltern bei Erbschaft | 100.000 € |
| II | Geschwister, Nichten/Neffen, Eltern bei Schenkung, Schwiegerkinder | 20.000 € |
| III | Alle übrigen (Lebensgefährten, Freunde) | 20.000 € |
Steuersätze
Anwendung auf den steuerpflichtigen Erwerb (= Erwerb minus Freibetrag):
| Steuerpfl. Erwerb bis | Kl. I | Kl. II | Kl. III |
|---|---|---|---|
| 75.000 € | 7 % | 15 % | 30 % |
| 300.000 € | 11 % | 20 % | 30 % |
| 600.000 € | 15 % | 25 % | 30 % |
| 6.000.000 € | 19 % | 30 % | 30 % |
| über 26.000.000 € | 30 % | 43 % | 50 % |
Berechnungsbeispiele
Erwerb 500.000 € minus Freibetrag 400.000 € = 100.000 € steuerpflichtig. Steuersatz Kl. I = 11 % → 11.000 € Steuer.
Erwerb 200.000 € minus Freibetrag 20.000 € = 180.000 € steuerpflichtig. Steuersatz Kl. II = 20 % → 36.000 € Steuer.
Steuerbefreiung Familienheim
Das vom Erblasser bis zum Tod selbstgenutzte Familienheim ist für Ehegatten unbegrenzt steuerfrei, für Kinder bis 200 m² Wohnfläche – Voraussetzung: zehnjährige Selbstnutzung durch den Erwerber (§ 13 Abs. 1 Nr. 4b und c ErbStG).
Lebzeitige Schenkungen nutzen Freibeträge alle 10 Jahre erneut. Wer rechtzeitig plant, kann erhebliche Beträge steuerfrei übertragen – etwa stufenweise Übertragungen auf Kinder und Enkel.
Häufige Fragen
Muss der Pflichtteil versteuert werden?
Ja, mit Geltendmachung wird der Pflichtteil steuerpflichtig (§ 3 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG). Wer den Pflichtteil nicht geltend macht, löst keine Steuer aus.
Wann ist die Erbschaftsteuer fällig?
Mit Bescheid des Finanzamts. Der Erwerb ist binnen 3 Monaten nach Kenntnis anzuzeigen (§ 30 ErbStG).
Wie kann ich Erbschaftsteuer sparen?
Durch lebzeitige Schenkungen (Freibeträge alle 10 Jahre), Nutzung der Familienheim-Befreiung, Kettenschenkung über Ehegatten, Niessbrauchsgestaltungen.
Sind Lebensversicherungen erbschaftsteuerpflichtig?
Eine Lebensversicherung mit Bezugsberechtigung fällt nicht in den Nachlass, ist aber als Erwerb von Todes wegen erbschaftsteuerpflichtig.
Zusammenfassung
Persönlicher Ansprechpartner
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